Kurzanleitung für den „20th Century“-Cocktail:
- 4 cl Gin
- 2 cl Lillet Blanc
- 2 cl Crème de Cacao
- 2 cl frischer Zitronensaft
Alle Zutaten in einen mit Eis gefüllten Shaker geben, kräftig schütteln und in ein gekühltes Cocktailglas abseihen. Keine Garnierung nötig, einfach genießen.
Detaillierte Tipps:
Jetzt, wo wir die schnörkellosen Fakten haben, lass uns ein wenig in die Tiefe tauchen. Der „20th Century“ lebt von einer ziemlich delikaten Balance. Du hast hier den sauberen, knackigen Charakter des Gins, der durch die Blumigkeit des Lillet Blanc ein wenig gezähmt wird. Die Crème de Cacao sorgt für die gewisse Schokoladennote, die, wenn sie gut integriert wird, keinesfalls zu süß wirkt, sondern eher für eine hautnahe Cremigkeit sorgt.
- Der Gin: Setze auf einen klassischen London Dry Gin. Der braucht Kraft, um gegen die anderen Zutaten bestehen zu können. Zu experimentelle oder ausgeprägte Gins könnten das sensible Gleichgewicht stören. Wenn du Lust auf Experimente hast, probiere es mal mit einem floralen Gin – das hebt den Lillet noch ein wenig mehr hervor.
- Lillet Blanc: Achte darauf, dass du auch tatsächlich einen frischen Lillet Blanc verwendest. Wer eine halbvolle Flasche schon einige Wochen im Regal stehen hat – ab ins Glas, aber bitte nicht im Cocktail. Lillet kann oxidieren und seine feinen Nuancen verlieren sich dann mit der Zeit.
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Crème de Cacao: Wähle, wenn möglich, eine gute Qualität und vermeide zu süße Varianten. Du willst lediglich eine zarte Schoko-Note, keinen Dessert-Drink. Eine dunkle Crème de Cacao funktioniert hier hervorragend, helle Varianten sind aber auch in Ordnung, wenn du eine subtilere Kakaonote bevorzugst.
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Zitronensaft: Da gibt’s wirklich keine Abkürzung – es muss frisch gepresster Zitronensaft sein. Der Unterschied zwischen Flaschenware und frisch gepresst ist riesig und kommt in so einem balancierten Drink besonders stark hervor.
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Shaken: Achte beim Shaken darauf, dass der Drink eiskalt wird. Durch die Süße der Crème de Cacao und den Zitrussäure-Anteil des Zitronensafts kann der „20th Century“ sonst schnell „matschig“ schmecken. Falls du keine fancy Schalen-Gläser hast, tut es auch ein gut gekühltes Martiniglas.
Die Geschichte des „20th Century“ und verwandte Cocktails:
Der „20th Century“ Cocktail stammt nicht etwa aus den späten 1900er Jahren, sondern wurde 1937 von C.A. Tuck, einem britischen Bahnreisenden, in Harry Craddocks berühmtem „Savoy Cocktail Book“ zum ersten Mal niedergeschrieben. Er wurde, wie der Name vermuten lässt, als eine Hommage an die moderne Welt (nicht zuletzt das 20th Century Limited, ein luxuriöser Expresszug zwischen New York und Chicago) entwickelt. Es geht aber hier keinesfalls um Geschwindigkeit: Die Qualität dieses Cocktails liegt in der kunstvollen Balance der Zutaten – wie ein gut abgestimmtes System.
Der „20th Century“ ist eine gelungene Mischung aus einem klassischen Sour (wegen des Zitronensafts) und einer leichten Dessert-Note (Crème de Cacao), was ihn von vielen anderen Drinks aus seiner Zeit unterscheidet. Normalerweise tendierten Cocktails entweder stark in die süße oder saure Richtung, aber dieser hier schafft es, in der Mitte zu bleiben.
Verwandte Cocktails sind beispielsweise der „Corpse Reviver No. 2“. Auch er kombiniert Gin, Zitrone und Lillet, aber anstelle von Kakao tritt Absinth in den Vordergrund – was ihn deutlich kraftvoller und ungewöhnlicher macht.
Einen Wikipedia-Artikel speziell über den „20th Century“ Cocktail gibt es derzeit nicht, aber falls du tiefer in die Materie einsteigen willst, wirf doch mal einen Blick auf die Seite zum Savoy Cocktail Book:
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Savoy_Cocktail_Book











