Rezept für den Aviation Cocktail
Kurz und knapp:
- 4,5 cl Gin
- 1,5 cl Maraschino (Kirschlikör)
- 1,5 cl Zitronensaft
- 1 Barlöffel Crème de Violette
Alle Zutaten mit Eis kräftig shaken, in ein gekühltes Cocktailglas abseihen und optional mit einer Maraschinokirsche garnieren.
Ausführliche Tipps für perfektionistische Genussmenschen
Der Aviation ist ein klassischer Cocktail, der ein wenig Fingerspitzengefühl erfordert – er ist kein „Alles-rein-und-fertig“-Drink. Die süßen und sauren Bestandteile sollten gut ausbalanciert sein, und das spiegelt sich schon in den Zutaten wider. Eine kleine Warnung vorweg: Hier kommt es auf gute Produkte an. Ein minderwertiger Gin oder Maraschino und plötzlich hat man ein Getränk vor sich, das eher an Schrankpolitur erinnert als an einen frisch abgehobenen Genussflug.
Zum Gin:
Wähle einen London Dry oder einen kräftigeren Old Tom Gin. Ein floraler Gin kann den ohnehin schon blumigen Crème de Violette verstärken, was dem Cocktail zu parfümiert machen könnte. Wünschst du dir mehr Frische, bleib bei einem klassischen, herben Gin.
Kirschlikör (Maraschino):
Maraschino kann in seiner Intensität stark variieren. Zu viel und du wirst denken, du hast versehentlich ein Glas Gummibärchen-Bourbon bestellt. Lieber vorsichtig dosieren, bis du den für dich richtigen Sweet-Spot findest.
Crème de Violette – Spiel mit dem Feuer:
Die Crème de Violette ist das „wild card“-Element im Aviation. Sie bringt das florale Aroma und vor allem die schöne, leicht lilafarbene Tönung. Aber Vorsicht! Sie sollte nicht die Hauptrolle übernehmen. Ein Barlöffel reicht völlig (oder weniger, wenn du kein Blumenladen im Glas möchtest). Ohne die Crème wird der Drink zwar farblos, aber immer noch großartig – und interessanterweise hat der Aviation in vielen Rezepten der 30er Jahren oft ganz darauf verzichtet.
Eis, Baby:
Nutze sauberes, frisches Eis und arbeite flott. Langes Schütteln und matschiges Eis verwässern den Drink schnell, und das willst du nicht. Der perfekte Aviation bleibt klar und gehaltvoll.
Zitronensaft:
Es versteht sich zwar von selbst, aber: immer frisch gepresst. Nichts aus der Plastikzieitrone!
Die Herkunft des Aviation Cocktails
Der Aviation ist „Old School“. Er taucht das erste Mal 1916 im Buch „Recipes for Mixed Drinks“ von Hugo Ensslin, einem Barkeeper des Hotel Wallick in New York, auf. Historikern zufolge gehörte er damals sofort zu den „besonderen“ Cocktails – und das liegt vor allem an seiner zentralen, farblich auffälligen Komponente, der Crème de Violette. Der Name „Aviation“ könnte dabei auf die Euphorie zurückzuführen sein, die die damalige Ära des Fliegens begleitete, immerhin waren die Pioniere wie die Gebrüder Wright noch ganz frisch in den Erinnerungen der Menschen.
In den 1930er Jahren geriet dieser Drink fast in Vergessenheit, da Crème de Violette irgendwann aus den meisten Bars verschwand und das Rezept in vielen Cocktailbüchern ohne diesen Bestandteil neu interpretiert wurde. Das Resultat? Ein „Aviation“ ohne die blumige Komponente – womöglich für viele weniger zu einem Höhenflug und mehr ein bodenständiger Gin Sour.
Mit der Renaissance klassischer Cocktails haben Bartender Crème de Violette wieder aus der Versenkung geholt, und der Aviation wurde wieder in den Himmel befördert. Der Geschmack von Kirsche, Zitrone und floralen Noten kommt nicht für jedermann/jederfrau gut an, ist aber genau das, was diesen Cocktail so einzigartig macht.
Verwandte Cocktails:
- Gin Sour: Der Aviation hat im Grunde seine Wurzeln im klassischen Gin Sour (Gin, Zitrone, Zucker), bevor man ihn mit Likören verziert hat.
- Last Word: Auch ein Gin-Cocktail, bei dem jedoch Chartreuse anstelle von Crème de Violette zum Einsatz kommt und mehr auf Würze als auf Florales setzt.
- Clover Club: Ein fruchtigerer Gin-Cocktail, der auch auf die Anfangstage zurückgeht, aber auf Himbeersirup und Eier setzt – der Aviation-Schnürlischuh-Träger darf der Clover Club als der ausgelassene Partygänger gelten.
Falls du noch detaillierter einsteigen magst, es gibt dazu auch einen Wikipedia-Eintrag: Aviation (cocktail) Wikipedia











