Naked and Famous

Naked and Famous

Naked and Famous Cocktail – Schnelles Rezept

Für diejenigen, die es eilig haben oder einfach nur den Cocktail mixen wollen, ohne tief in die Theorie einzutauchen, hier das Rezept:

  • 2 cl Mezcal
  • 2 cl Yellow Chartreuse
  • 2 cl Aperol
  • 2 cl frischer Limettensaft

Alle Zutaten in einen Shaker mit Eis geben. Kräftig shaken, abseihen und in ein gekühltes Cocktailglas gießen. Kein Garnish – schlicht und direkt, wie der Drink selbst.


Detaillierte Tipps zur Zubereitung

Nun aber tiefer in die Materie, für die Kenner, die das besondere an diesem Drink erfassen wollen. Der Naked and Famous ist einer dieser Drinks, die mit ihrer Einfachheit bestechen, aber doch komplex im Geschmack sind. Hier ein paar Feinheiten, die die Zubereitung veredeln:

  1. Mezcal: Der rauchige Charakter von Mezcal prägt diesen Drink. Verwendest du einen zu milden, geht der Drink fast in einem süßen Zitrus-Meeresrauschen unter. Zu starker Mezcal kann schnell überdominierend werden. Idealerweise suchst du dir einen Mezcal aus, der ausgewogen rauchig, aber nicht zu „erdig“ ist, wie zum Beispiel der „Del Maguey Vida“.

  2. Yellow Chartreuse: Viele kennen den grünen Bruder – die Green Chartreuse – aber hier benötigst du die gelbe Variante. Diese ist milder und weniger kräuterlastig, was im Kontext des Cocktails eine subtilere Süße bringt. Es lohnt sich, darauf zu achten, dass die Chartreuse nicht bereits zu alt ist, da durch Oxidation ein Großteil ihrer Aromen verloren gehen kann.

  3. Aperol: Dem weitbekannten Aperitif Aperol kommt hier nicht primär eine bittere, sondern eine eher fruchtig-orangeartige Rolle zu. Falls du mal experimentierfreudig bist, kannst du auch mal mit anderen Aperitifs wie Campari oder Galliano spielen – aber Achtung, dann entfernst du dich schon deutlich vom Original.

  4. Limettensaft: Bitte, tu mir den Gefallen: frisch pressen! Dieser Cocktail lebt von der Balance aus der Herbheit des Mezcal und der Säure der Limetten. Industriell abgefüllter Limettensaft schmeckt oft abgestanden und muffig. Zudem am besten den Saft direkt vorm Mixen auspressen – alles andere wäre eine Schande.

  5. Shaken, nicht gerührt: Der Cocktail wird geschüttelt, weil er Zitrussaft enthält. Beim Shaken wird der Saft besser integriert und das Eis bringt die gewünschte Kälte und leichte Verdünnung. Wenn du jedoch merkst, dass der Drink zu „wässrig“ schmeckt, könnte es daran liegen, dass du ihn zu lange geschüttelt hast. Ein heißer Sommertipp: Stelle den Shaker vorab schon ins Eisfach.

  6. Glaswahl: Klassischerweise wird der Naked and Famous in einem Coupé- oder Old-Fashioned-Glas serviert. Hier steht der Cocktail für sich, ohne Schnickschnack. Die Glaswahl zielt auf das Einfache, Direkte ab – ganz im Gegensatz zu Drinks mit verzierten Garnituren.


Die Geschichte des „Naked and Famous” – Herkunft und verwandte Cocktails

Der Cocktail wurde 2011 von Joaquín Simó entwickelt, als er in New York City in der Bar Death & Company arbeitete. Simó beschrieb den Cocktail damals als eine „gleich starke Mischung aus klassisch amerikanisch und leicht überdrehtem mexikanischen Einschlag“, was schon viel über die wild-experimentelle Szene der modernen Cocktailkultur sagt.

Interessanterweise wurde der Naked and Famous vom klassischen „Last Word“-Cocktail inspiriert, einem Drink mit einem ähnlichen „Equal Parts“-Balance-Prinzip. Der Last Word besteht aus Gin, Chartreuse, Maraschino und Limettensaft – was klar macht, dass die Idee der perfekten Harmonie von vier gleichen Anteilen hier im Vordergrund steht. Geschmacklich ist der Last Word eher hell und kräuterig, während sich der Naked and Famous in der rauchigen Richtung bewegt.

Der gegenseitige Einfluss von Cocktails in der Barszene ist auch immer wieder ein Zeichen dafür, wie lebendig und iterativ die Entwicklung neuer Kombinationen ist. Inspiration und Abwandlung gehen oft Hand in Hand. Falls dich das Thema interessiert, gibt es übrigens auch eine ganze Geschichte auf Wikipedia zum Last Word – allerdings ist der Naked and Famous noch nicht so weit verbreitet, dass er bereits seinen eigenen Eintrag bekommen hat.


Abschließend lässt sich sagen: Der Naked and Famous ist weder erschlagend durch seine Komplexität noch aufdringlich simpel – eine verführerische Balance, genau wie im Leben, oder? Und wenn du den ersten Schluck nimmst, denke dabei ruhig ein wenig an die experimentelle Cocktailszene in NYC, die Experimentierfreude und die vielen kleinen Details, die diesen Drink zu dem machen, was er ist.

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