Oaxaca Old Fashioned – Kurz und Knapp
Zutaten:
– 4,5 cl Reposado Tequila
– 1,5 cl Mezcal
– 1 Teelöffel Agavensirup (oder Zuckersirup)
– 2 Dashes Angostura Bitters
– Orangenzeste
Zubereitung:
Alle Zutaten, abgesehen von der Orangenzeste, in ein mit Eis gefülltes Rührglas geben. Gut verrühren, dann in ein vorgekühltes Rocks-Glas mit frischem Eis abseihen. Mit der Orangenzeste garnieren, dabei die Öle über dem Drink ausdrücken. Fertig.
Detaillierte Tipps für Perfektion
Okay, jetzt da wir die Kurzform erledigt haben, lass uns ins Detail gehen – hier steckt der Teufel nämlich gern mal in der kleinen Agavenflasche.
1. Die Wahl des Tequilas
Am wichtigsten ist, dass du einen Reposado Tequila wählst – das ist die mittlere Reifephase, in der der Tequila mindestens zwei Monate, aber weniger als ein Jahr in Holzfässern gelagert wird. Dieser Reifungsprozess sorgt dafür, dass der Tequila einen sanfteren, abgerundeten Charakter hat, was hier gut zu den rauchigen Noten des Mezcal passt. Wenn du mal einen wirklich intensiven, erdigen Twist probieren willst, kannst du es auch mit einem Añejo Tequila versuchen, aber Reposado bleibt der Klassiker.
2. Mezcal für den rauchigen Kick
Das Highlight beim Oaxaca Old Fashioned – warum er so besonders schmeckt – ist die Zugabe von Mezcal. Dieser verleiht dem Drink diese subtile Rauchigkeit, die das Geschmackserlebnis total komplex und unerwartet macht. Es lohnt sich, ein bisschen mehr für einen qualitativ hochwertigen Mezcal hinzulegen (schließlich ist das nicht unbedingt ein Drink, den man „runterkippt“). Ein zu aggressiv geräucherter Mezcal könnte den Tequila geschmacklich erdrücken, also ruhig einen sanfteren wählen.
3. Agavensirup statt Zucker
Das Original Old Fashioned wird mit Zuckersirup gemacht, aber der Agavensirup passt hier einfach ideal zum Agavenalkohol und hebt diese leichten, süßlichen Erdnoten hervor. Wenn du keinen Agavensirup parat hast, funktioniert Zuckersirup auch – aber die Agave gibt dem Cocktail den nötigen Feinschliff. Achtung beim Dosieren! Agavensirup ist süßer als Zuckersirup, weniger ist hier oft mehr.
4. Garnitur: Orangenzeste, kein Obstsalat
Ein Schuss Zeste ist der finale Clou im Cocktail; durch das „Ausdrücken“ der Orangenschale über dem Glas setzt du ätherische Öle frei, die den Cocktail perfekt abrunden. Manche werfen die Zeste danach einfach ins Glas, andere legen es sich daneben als kleines Kunstwerk auf den Rand – beide Optionen sind okay. Aber bitte keine Orangenscheiben, Kirschen oder was auch immer dein Kühlschrank hergibt – wir sind hier doch keine Tiki-Bar.
5. Eis – unterschätzter Akteur
Klar, Eis ist Eis, oder? Nicht ganz. Große Eiswürfel oder ein einzelner massiver Eisblock machen den Unterschied. Er verlangsamt das Verwässern und sorgt dafür, dass du die sich entwickelnden Aromen aus Agave, Rauch und Süße über einen längeren Zeitraum genießen kannst. Crushed Ice ist hier tabu. Da kann ich auch gleich meinen Bart aus Verzweiflung abrasieren.
Herkunft und Verwandte Cocktails
Der Oaxaca Old Fashioned stammt aus den frühen 2000er Jahren, genauer gesagt 2007, und wurde von Philip Ward im berühmten New Yorker Death & Company erfunden. Ward war einer der ersten Barkeeper, der die Kombi von Tequila und Mezcal in einem „Modern Classic“ auf die Karte brachte. Zu jener Zeit war Mezcal außerhalb seiner Heimat Mexiko noch ein eher exotisches Getränk, das viele durch seine starke Rauchnote skeptisch beäugten. Erst später kam der Siegeszug dieses Destillats, das heute fast schon salonfähig geworden ist.
Ward ließ sich beim Oaxaca Old Fashioned vom klassischen Old Fashioned inspirieren, der als einer der ältesten (und am meisten missverstandenen) Cocktails gilt. Tatsächlich ist das Rezept, wie der Name schon sagt, damals besonders einfach gehalten worden – Zucker, Bitters, Spirituose, fertig.
Ein enger Cocktail-Verwandter wäre der Mezcal Old Fashioned, der ganz wie sein Bruder funktioniert, nur dass statt Tequila komplett auf Mezcal gesetzt wird. Für die Liebhaber der rauchigen Note sicher eine gute Variante, aber weniger harmonisch als der Oaxaca. Wer es süßer mag, könnte den Oaxaca auch mal mit Amaro bzw. Kräuterlikör anstelle eines traditionellen Bitters versuchen, was die erdigen Noten noch interessanter macht.
Ein Blick auf den Wikipedia-Eintrag zu Mezcal oder Old Fashioned zeigt, welche Wurzeln der Drink in der langen Geschichte des amerikanischen Barhandwerks hat – oder wie Barkultur und traditionelle Spirituosen aus Mexiko auf unnachahmliche Weise fusionieren können.
Aber wenn ich ehrlich bin, gibt dir wahrscheinlich kein Wikipedia-Eintrag das Gefühl, als würdest du den ersten Schluck dieses wohltuend rauchigen, bittersüßen Drinks kosten. Also besser mixen als lange lesen!







